Im Notfall drücken

Der Fall Jörg Paffrath (1996)

13.03.2012

Der wenig bekannte deutsche Radprofi, Jörg Paffrath wurde 1996 am Ende seiner Karriere erstmals positiv getestet und sechs Monate gesperrt. Doch dann geschah das für die Szene Unfassbare: Paffrath bekannte sich 1997 in einem “Spiegel”-Artikel zu seiner vierjährigen Doping-Karriere in allen Einzelheiten. Er hatte genug, wollte aussteigen, aufrütteln und warnen. Der Bund Deutscher Radfahrer sperrte ihn daraufhin lebenslang,

Der Sportverband lieferte sogar eine schriftliche Begründung:
„Strafverschärfend war hier zu berücksichtigen, dass der betroffene Sportler durch sein Verhalten nicht nur dem Ansehen des BDR schweren Schaden zugefügt hat. Es war auch zu berücksichtigen, dass bei dem radsportlichen Nachwuchs der Eindruck entsteht, dass nur mit Hilfe leistungssteigernder Medikamente ein Wettkampferfolg erzielt werden könne.“
Paffraths erstes Gnadengesuch wurde 2001 ohne Begründung abgelehnt. 2003 wurde er begnadigt, allerdings erst, als er öffentlich erklärte, es täte ihm Leid, dass “durch seine Aussagen damals der Eindruck entstanden sei, Doping sei im Radsport gang und gäbe und werde toleriert.”

(von Hansjörg Kofink, mit dessen freundlichen Genehmigung)

http://www.cycling4fans.de/index.php?id=4545#26669