Im Notfall drücken

Der Fall Bart (2004)

16.03.2012

Im Jahr 2004 berichtete ein belgischer Profi-Radsportler anonym aber freimütig über seine eigenen Doping-Erfahrungen.Er wollte dem Radsport letztendlich den Rücken kehren, weil er die verbreitete Dopingkultur nicht mehr akzeptieren konnte.

Belgien hat eine sehr lange und starke Rennradsport-Tradition. Unzählige Radsport-Clubs bilden Fahrer aus und veranstalten über die Radsportsaison Radrennen der verschiedensten Kategorien. Bart betont in seinem Interview, dass er selbst aus keiner radsportverrückten Familie kam und er es deshalb schwer hatte sich mit seinem Wunsch Rennfahrer zu werden, durchzusetzen. Mit 16 Jahren unterschrieb er seinen ersten Vertrag, musste aber seinen Eltern versprechen, dabei die Schule nicht zu vernachlässigen. Er sieht es später als großes Glück an, dass er einen skeptischen Familienhintergrund hatte und zudem einen Trainer bekam, der strikt gegen Doping eingestellt war.
Doping sei für ihn und seine Sportlerkollegen bis zum Alter von 19 Jahren kein Thema gewesen, sie fuhren sauber, er hatte Erfolg und Spass. Das änderte sich schlagartig mit dem Erreichen der nächst höheren Alterstufe. Jetzt kamen Hoffnungen auf Profiverträge und gutes Geldverdienen auf. Schnell entdeckte er, dass Doping unter seinen Amateurkollegen keine Seltenheit mehr war. Bart verweigerte sich dieser Praxis, fühlte sich mit dieser Haltung jedoch als Außenseiter. Die Situation verschärfte sich für ihn als er Stagiare eines Profiteams wurde. Jetzt dopten alle und von ihm wurde dasselbe erwartet.
Hat Bart wirklich nie gedopt? Konnte er dem massiven Druck immer widerstehen? Das wird nicht deutlich. Er kehre dem Sport den Rücken, weil er die verbreitete Dopingkultur nicht mehr akzeptieren könne.
„Für mich ist der Radsport der schönste Sport den es gibt, aber er [mein Sohn] soll nie Fahrer werden. Nie“, sagt Bart. Und wenn es gelänge das Radmilieu vom Doping zu säubern? „Dann vielleicht ja.“ Das klingt so zögerlich, dass es deutlich wird, dass Bart nicht daran glaubt, dass das Radfahren schnell dopingfrei werden könnte.

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