Im Notfall drücken

Der Fall Lisa Hütthaler (2008)

19.03.2012

Lisa Hütthaler errang 2007 den Titel der österreichischen Staatsmeisterin im Triathlon. Im März 2008 wurde sie positiv auf EPO getestet und für 2 Jahre gesperrt. Anfang 2009 zeigte sie sich den Ermittlern gegenüber kooperativ, legte ein umfangreiches Geständnis ab und nannte Namen, wodurch sie eine Reduktion der Strafe auf 18 Monate erreichte.

Lisa Hütthaler packte auch öffentlich aus. Detailliert berichtete sie, wie  sie zum Doping kam, wie sie versuchte sich mit Wachstumshormonen, Testosteron, EPO und Bluttransfusionen fit zu bekommen und wie ihr Körper darauf reagierte. Erste Erfahrungen mit Doping im Traithlon machte sie 2001 beim Ironman auf Hawaii. Hier konnte sie feststellen, wie selbstverständlich sich Sportler/innen Spritzen setzten und auch offen über ihre Dopingpraxis sprachen. Diese Erfahrungen bestätigten sich auch später in Österreich. Insbesondere waren der Hobbysport und der Amateurbereich betroffen. Von ihrem Trainer und Manager Stefan Matschiner erhielt sie einen detailliert ausgearbeiteten Dopingplan, den sie ohne Gewissensbisse akzeptierte auch wenn er viel Geld kostete. Die ersten Bluttransfusionen erhielt sie im Jahr 2006 unter Aufsicht des ehemaligen stellvertretenden Leiters Andreas Zoubek am St. Anna Kinderspitals in Wien.
Doping war für die Athletin nach eigenen Angaben eine Frage der Gleichberechtigung. Sie habe einen Blick für gedopte Sportlerinnen entwickelt, für die Veränderungen, die deren Körper zeigen. Und so konnte sie viele gedopte Konkurrentinnen entdecken. Als sie von dem positiven EPO-Befund erfahren hatte, versuchte sie noch eine Laborangestellte zu bestechen. Der Versuch schlug fehl und Lisa musste sich einem Verfahren stellen.
Lisa Hütthalers Geschichte schlug hohe Wellen. Sie passte nahtlos in das während dieser Jahre offen gelegte österreichische Dopingnetzwerk um Stefan Matschiner und die Blutbank Humanplasma, in dem sich u. a. auch Profiradfahrer Bernhard Kohl verfangen sollte.  

http://www.gazzetta.cycling4fans.de/index.php?id=4741

Stefan Matschiner veröffentlichte 2011 sein Buch ‚Grenzwertig’, in dem er aufschlussreiche Einblicke in das von ihm maßgeblich mitbestimmte Dopingsystem in Österreich mit Verbindungen zu ausländischen Sportlern gewährte. Die Besprechung des Buches mit weiteren Links zur Affaire ist hier zu finden:

http://www.gazzetta.cycling4fans.de/index.php?id=5491