Im Notfall drücken

Der Fall Thomas Frei (2010)

28.03.2012

Mit 25 Jahren wurde der Schweizer Profiradsportler wegen Dopens mit EPO für 2 Jahre gesperrt. Nachdem sein positiver Test bekannt wurde, versteckte er sich nicht, sondern sprach über sein Verhalten und seine Erfahrungen.

Thomas Frei hatte eine viel versprechende Zukunft vor sich. 4 Jahre war er bereits in erstklassigen Teams, je zwei bei Astana und BMC, mit Toppfahrern unterwegs gewesen. Dopinghandlungen hatte er bei seinen Kollegen zwar nicht feststellen können, doch es gab einige, mit denen er sich, nachdem er sich selbst als Doper geoutet hatte, über die Praktiken unterhalten konnte. Dabei ging es um Dosierungen, Entdeckungsrisiken und Ähnliches, nicht um Gefühle, um Schuld und Unsicherheiten. Darüber sprechen konnte er, da nicht abgebrüht genug, um alles einfach wegzustecken, nur mit Menschen seines privaten Umfeldes.
Thomas Frei hatte als junger Fahrer und Amateur ohne zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente Erfolg. Auch während der ersten Zeit als Profi versuchte er entsprechend clean zu bleiben. Das war nicht selbstverständlich, denn er nennt andere Verhältnisse, in denen junge Fahrer schon sehr früh während ihrer sportlichen Laufbahn mit Dopingpraktiken in Berührung kommen. Mit der Zeit passte er sich den gängigen Praktiken an und ließ zu, dass er Aufbauprodukte einnahm und Infusionen mit Unterstützung des Arztes akzeptierte. Der Damm war gebrochen, er machte es wie alle anderen auch, er gehörte jetzt dazu. Sein Ehrgeiz erledigte den Rest. Er wollte nicht Helfer bleiben sondern selbst namhafte Erfolge einfahren. So begann er sich über Mittel und Methoden zu informieren und lernte sich selbst Spritzen zu setzen. Geldmangel führte ihn zu Versuchen mit Mikrodosen EPO, das erschwingliche Doping der Kleinen.
Thomas Frei betont, dass er sich aus freien Stücken für das Dopen entschieden hatte. Nie wäre ein Teamverantwortlicher auf ihn zugegangen und hätte Entsprechendes von ihm verlangt. Es habe aber auch nie jemand Doping untersagt. Alle wüssten was vorgeht, unausgesprochener Druck sei vorhanden, aber letztlich bliebe es allein den Sportlern überlassen, wie sie sich entscheiden – mit allen Konsequenzen. Für Thomas Frei ist es eine verlogene Gesellschaft, der Sportler sei immer der Dumme.   

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