Im Notfall drücken

Der Fall Matt deCanio (2005)

18.03.2012

1998 kam der 19jährige Matt DeCanio als Nachwuchsradfahrer aus den USA nach Italien. 1998 kam der 19jährige Matt DeCanio als Nachwuchsradfahrer aus den USA nach Italien. Es waren die 1990er Jahre, in denen Doping, vor allem EPO-Doping, im europäischen Radsport eine Selbstverständlichkeit war.

Erst nachdem während der Tour de France 1998 das Festina-Team in den Fängen der französischen Polizei hängen blieb und im Laufe der Tour noch andere Mannschaften wegen Dopings aus dem Rennen flogen, begann eine breite öffentliche Diskussion um Doping im Radsport.
Matt erzählt, wie er bereits vom ersten Tag an in seinem italienischen U23-Team von Dopingpraktiken erfuhr. Sein Teamleiter forderte sogar die Einnahme von EPO und Wachstumshormonen, die kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Wer weiter machen, wer erfolgreich sein wollte, hatte es schwer sich zu verweigern. EPO zeigte in den damals üblichen hohen Dosierungen große Wirkung. Saubere Fahrer mussten schon extrem gute Fahrer sein, um mithalten zu können. Matt DeCanio versuchte trotzdem clean zu bleiben, sah aber ein, dass er auf diese Weise kaum eine Chance auf eine erfolgreiche Radsportlerkarriere hatte und hörte mit dem Leistungssport auf. Am College überzeugte er wenig später mit seinem Talent, stieg sportlich auf und war als Teilnehmer der U23 WM 1999 erneut im Geschäft. Im Jahr 2000 sah ihn Europa wieder. Doping war auch jetzt in seinem Team an der Tagesordnung. Es gelang ihm clean zu fahren, doch mangels Erfolgen erhielt er in Europa keinen neuen Vertrag. Er fuhr daraufhin in amerikanischen Teams, in denen, zumindest teilweise, verbotene Methoden ebenfalls nicht unbekannt waren. Im Jahr 2003 kam sein eigener Sündenfall. Er durchlebte eine persönliche Krise, griff nach Partydrogen und überschritt seine selbst gesetzte Grenze. EPO und Testosteronpflaster  sollten ihm weiter helfen. Die Wirkung war jedoch nicht wie erwartet und seine persönlichen Skrupel holten ihn ein.
Matt DeCanio warf endgültig das Handtuch, gestand sein Doping und wurde dafür für 2 Jahre gesperrt.
Mit seiner Geschichte möchte Matt junge Sportler dazu ermuntern an sich zu glauben und clean zu bleiben. „Ich sah wie Freunde zu Skeletten abmagerten, kahl wurden, es wuchsen ihnen Haare am Rücken. Sie wurden geschieden, ihr Leben ist ein elender Albtraum. Tu es nicht; du kannst die Tour de France clean gewinnen: irgendwo ist jemand, der das kann. Gebe die Hoffnung nicht auf und wende dem Teufel jedes Mal den Rücken zu, wenn er es versucht.“

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