Im Notfall drücken

Vorolympische Doping-Fälle

26.07.2012

Die Agentur dapd fasst am 26.7. zusammen: Wenige Tage vor den ersten Leichtathletik-Entscheidungen bei Olympia häufen sich die Dopingfälle . . .

Vorerst letzter Name auf der Liste der Schwarzen Schafe war am Donnerstag Hochsprung-Hallenweltmeister Dimitris Chondrokoukis. Der Grieche sagte nach einem positiven Test seine Teilnahme ab. Zuvor war Robert Hartings Diskus-Konkurrent Zoltan Kövago aus Ungarn vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) gesperrt worden. Am Mittwoch hatte der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) neun Athleten suspendiert. 1500-Meter-Läuferin Mariem Alaoui Selsouli aus Marokko hatte am Dienstag die Rote Karte erhalten.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verwies in einer ersten Stellungnahme auf die Hoheit der IAAF. IOC-Mediendirektor Mark Adams sagte: „Jeder im Vorfeld der Olympischen Spiele positiv getestete Athlet zeigt, dass das Kontrollsystem funktioniert. Das ist gut für saubere Wettbewerbe in London.“
Zwt.: Einnahme von Stanozolol nachgewiesen
Wie fast alle ertappten Athleten ist sich auch Chondrokoukis keiner Schuld bewusst. In einem von griechischen Medien veröffentlichten Brief erklärte dessen Vater Kyriakos Chondrokoukis, dass sein auf das anabole Steroid Stanozolol positiv getesteter Sohn keine unerlaubten Substanzen zu sich genommen habe. Der Dopingfall des Griechen ist auch noch von keiner offiziellen Stelle öffentlich gemacht worden, weil das Ergebnis der B-Probe noch aussteht.
„Das Paradoxon eines Gebrauchs von einer so leicht nachzuweisenden verbotenen Substanz durch einen aktuellen Weltmeister, der sich unter der Lupe der Dopingkontrollagenturen befindet, unmittelbar vor den Olympischen Spielen ist allzu offensichtlich“, heißt es in dem Brief. Mit Stanozolol ist schon Skandal-Sprinter Ben Johnson nach seinem 100-Meter-Olympiasieg 1988 in Seoul aufgefallen. Der Vater des 2,32-Meter-Hochspringers kündigte eigene Recherchen an: „Gegen dieses Paradoxon werde ich kämpfen, werden wir kämpfen, um die Antwort darauf zu finden, was wirklich passiert ist.“
Bei den Heim-Spielen in Athen 2004 hatten die Sprinter Ekaterina Thanou und Kostas Kenteris für einen Skandal gesorgt, als sie vor den Dopingkontrolleuren flüchteten und einen Motorradunfall inszenierten. Vier Jahre später wollte Thanou in Peking noch einmal antreten, das IOC verweigerte ihr aber die Akkreditierung.
Nach dem Ausschluss von Zoltan Kövago aus dem ungarischen Olympiateam hat Diskuswurf-Weltmeister Harting aus Berlin einen ernsthaften Rivalen weniger. Kövago war wegen eines im August 2011 verweigerten Dopingtests am Donnerstagmorgen vom CAS für zwei Jahre gesperrt worden war. Der Ungar war mit 68,21 Metern Fünfter der aktuellen Weltrangliste. Bei der EM in Helsinki gewann er Bronze. Kövago hatte nach der Disqualifikation seines erstplatzierten Landsmanns Robert Fazekas bei Olympia 2004 in Athen Silber erhalten. Fazekas wurde vor wenigen Tagen wegen einer positiven Probe auf Stanozolol aus dem ungarischen Team genommen.
Zwtl.: Kövago ist sich keiner Schuld bewusst
Kövago bestritt, dass er von einem Kontrolleur die Mitteilung erhalten hätte, für einen Test zur Verfügung stehen zu müssen. Der ungarische Verband glaubte ihm und verzichtete auf eine Sperre. Daraufhin rief der Weltverband IAAF den CAS an.
Prominenteste Sünderin unter den am Mittwoch gesperrten neun Athleten ist die Ukrainerin Natalija Tobias, die bei den Spielen 2008 in Peking über 1.500 Meter Bronze gewann. Bei ihr wurde jetzt Testosteron in einer Nachuntersuchung ihrer Urinprobe von der Leichtathletik-WM 2011 nachgewiesen. Ihre Landsfrau Antonina Jefremowa, eine 400-Meter-Läuferin, wurde ebenfalls des Dopings mit dem männlichen Wachstumshormon überführt. Außerdem wurde die bulgarische Sprinterin Inna Eftimowa auf Basis einer in Südkorea genommenen und jetzt positiv getesteten Probe gesperrt. Sechs Sportler wurden über den Blutpass überführt.
Die marokkanische Läuferin Mariem Alaoui Selsouli muss mit einer hohen Strafe rechnen. Die Mittelstrecklerin, bei der beim Meeting in Paris am 6. Juli das Diuretikum Furosemid gefunden wurde, war bereits wegen der Einnahme des Blutdopingmittels EPO bis August 2011 zwei Jahre gesperrt.